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Die Karnevalsmasken in Venedig:
Geschichte und Herstellung

Jeder kennt sie, aber kaum einer weiß, wo und wie sie hergestellt werden. Von einem, der die Karnevalsmasken noch in Handarbeit fertigt, und von der Geschichte des Karnevals in Venedig erzählt dieser Artikel von Markus Ruppert.

Die Herstellung der Masken

Karnevalsmasken Wir haben ihn in seiner Werkstatt in Verona besucht und ihm einen Tag lang über die Schulter geknipst. Wenn man die hell strahlenden, goldenen, mit Schmuck und Farbe verzierten Masken bestaunt, mag man es gar nicht glauben: Das Rohmaterial besteht fast ausschließlich aus alten Tageszeitungen und Tapetenleim, der die Druckwerke mithilfe eines Mixers in einen sämigen Papierbrei verwandelt.

Einen ganzen Tag lang weicht der Zeitungsbrei in einem mit Wasser und Tapetenleim gefüllten Fass, ehe er zur Weiterverarbeitung in eine mit Textilnetz bespannte Bleiform gefüllt und in dieser - mittels Vakuumverfahren - in die vorgegebene Form gebracht wird.

Weitere Stunden vergehen, ehe die in Masken geformte Papiermasse nun endlich angetrocknet aus der Form geholt und zum Durchtrocknen überall ausgelegt wird, wo sich noch ein bisschen Platz befindet. Denn wenn der "Teig“ einmal angerührt ist muss man ihn komplett verbrauchen.

Der weitere Schritt ist ebenfalls Handarbeit - die Augen werden aus den Masken geschnitten - und prägen den Eindruck der Maske von Anfang an. Der Meister selbst lässt es sich nicht nehmen diesen Schnitt, ohne jegliche Vorzeichnung, selbst vorzunehmen.

Aus nur ein paar Basismodellen (neben den Masken der Commedia dell’Arte) entstehen so an die Hundert verschiedene Masken, verziert mit Farben, Blattgold und Zirkonien. Und selbst die Masken in Venedig, die nicht von seiner Künstlerhand kreiert wurden, tragen oft die Basismaske aus seinem Haus unter ihrem schmucken Kleid.
Karnevalsmasken

Die Freiheit der Maske entlastet von allen Schranken und bedrückenden Konventionen

Die Lust am Verkleiden ist alt. Schon vor über 900 Jahren wurde der Karneval in Venedig gefeiert. Die Masken boten damals Anonymität - soziale Schranken waren somit aufgehoben. Adelige verkleiden sich als Diener und Diener als Adelige, Männer und Frauen tauschten die Gewänder. Für ein paar Tage im Februar wurde Sitte, Anstand und Rollenzugehörigkeit dem närrischen Treiben geopfert. Venedig, das war ein europäisches Zentrum der Vergnügungen, der Feste, der Liebe. Seit Jahrhunderten galten die venezianischen Kurtisanen als die Königinnen ihrer Profession.

Schon im 16. Jahrhundert erschienen gedruckte Kataloge vor allem natürlich für die Besucher der Stadt, in denen die Adressen und die besonderen Reize der raffiniertesten und teuersten der Lust-Damen aufgezählt wurden. Und zu gleicher Zeit wundert sich Michel de Montaigne in seinem schönen Reisetagebuch, "sie in solcher Zahl zu treffen, etwa hundertfünfzig, die an Möbeln und Kleidern den Aufwand einer Prinzessin treiben". Allerdings blieb er nur eine Woche in Venedig, und die eigene Anschauung mag durch die Berichte begeisterter Freunde ergänzt worden sein.

Im Karneval, in der Freiheit der Maske, schien diese viel versprechende Anlage der Venezianer zur Liebe, von allen Schranken und bedrückenden Konventionen entlastet, endlich verwirklicht zu werden. Ungeahnte, unerhörte Möglichkeiten schienen den reisenden Fremden zu erwarten.
Karnevalsmasken

Die Gegnerschaft der Kirche und alle Verbote konnten den Karneval nicht bremsen

Wie in ganz Italien standen auch in Venedig antike Maskenfeste Pate bei der Entstehung des Karnevals, allen voran die Saturnalien, die im ganzen römischen Imperium als Fest der Jahreswende mit allen attraktiven Möglichkeiten der Maskenorgie aufwarteten. Trotz heftiger Gegnerschaft der Kirche feierten die Venezianer ihren Karneval seit dem Bestehen der Stadt. Die Kostümierung hatte zu Beginn noch wenig vom Raffinement und von der Vielfalt, die später die Bewunderung Europas erregen sollten. In Felle gehüllt und mit Zweigen geschmückt zogen Gruppen junger Männer mit Saiteninstrumenten durch die Stadt, besangen die Frauen, vor allem aber die Aussichten auf gutes und reichliches Essen, das die Festzeit bringen würde: "Trinkt, esst, guten Käse, gute Früchte, gutes Fleisch, gute Nudeln, gutes Huhn, guten Kapaun, trinkt und esst, bis es nicht mehr geht!"

Denn der Karneval begann mit dem Tag des Heiligen Stephan, am 26. Dezember, in jener Zeit also, in der die ersten Vorräte aufgezehrt waren und der Rest dennoch lange reichen musste. In diese Lage der Vorsorge und wohl berechneten Einteilung brach der Karneval als Gegenwelt des Überflusses, der Verschwendung, der Unberechenbarkeit herein. Für einen Augenblick traten die Menschen aus dem Reich der Notwendigkeit ein in das Reich der Freiheit.

Aber dann begann auch die Epoche der Verbote. Am 12.Februar 1339 verbot das Gremium des adeligen Patriziats das Tragen von Masken, da unter ihrem Schutz Verbrechen und Betrug in die Stadt eingezogen seien. Offensichtlich fand das Verbot keine Resonanz, denn ein Jahrhundert später sieht sich der Rat der Zehn veranlasst, gegen Männer vorzugehen, die als Frauen maskiert zur Karnevalszeit in Nonnenklöster eindrängen, um dort "viele Schamlosigkeiten" zu begehen. Drei Jahre nach diesem Dekret, 1461, erlässt diese mächtige Behörde ein neues, das die Entscheidung von 1339 gegen jegliche Maskierung wieder aufnimmt. Aber alle Verbote scheinen totes Papier geblieben zu sein, denn in immer kürzeren Abständen werden sie erneuert.
Karnevalsmasken
1502 verbot der Rat der Zehn "das Tragen künstlicher Haare und Bärte, der Masken und überhaupt jede Form der Verkleidung". 1504 und 1606 folgte eine wörtliche Wiederholung. Im Laufe des Jahrhunderts folgten weitere Verbote, wie z.B. das Tragen von Waffen, was den Karneval aber nicht stoppen konnte, im Gegenteil.

Im 18. Jahrhundert, zu Lebzeiten Casanovas, stand der Karneval in voller Blüte. Damals dauerten die närrischen Tage fast ein halbes Jahr und wurden sogar über die Staatsgeschäfte gestellt. Erst als Napoleon 1797 die Stadt einnahm, verbot er den Karneval kurzerhand.

Die Herrschaft Napoleons war nicht nur Untergang der Republik, sondern auch der beginnende Dornröschenschlaf des Karnevals. Die Wiedererweckung des Karnevals aus seinem fast 200-jährigen Schlaf ließ ihn dann zu einem der wichtigsten Feste in Italien werden ließ.
  
Text und Fotos: Markus Ruppert

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