Reise nach Italien - Italienische Politik und Gesellschaft

Hitler und Mussolini

Über das dunkelste Kapitel der deutsch-italienischen Beziehungen.

28. September 1938: Hitler und Mussolini bei dessen Besuch in München.
Foto:  Unbekannter Autor / Deutsches Bundesarchiv
Stolz und von den Massen umjubelt, die ihnen blind gehorchen - wie auf dem Foto oben - so sahen sich Hitler und Mussolini gerne.

Der Faschist Mussolini und der Nationalsozialist Hitler hätten gerne die Welt unter sich aufgeteilt. Am Anfang segelte Hitler im Windschatten Mussolinis, er bewunderte ihn und versuchte, ihn nachzuahmen. Am Ende war es Mussolini, der zu Hitler aufblickte und von dessen Erfolgen zu profitieren versuchte. Beide verband eine Partnerschaft, die auf persönlicher Ebene konfliktgeladen und dramatisch verlief und auch so endete. Unendliches Leid für das deutsche, das italienische und für viele andere Völker der ganzen Welt waren die Konsequenzen aus dieser unheiligen politischen Allianz.

Die Parallelen in der Geschichte Deutschlands und Italiens

Bei allen Unterschieden weisen die deutsche und die italienische Geschichte auch sehr viele Parallelen auf:
  • bis ins 19. Jahrhundert eine starke politische Zersplitterung mit zahlreichen inneren Kriegen,
  • eine im Vergleich zu anderen anderen großen europäischen Staaten sehr späte politische Einheit (Italien: 1860, Deutschland: 1871),
  • ein daraus resultierender "Nachholbedarf" an imperialistischer Ausdehnungspolitik
  • Bitterkeit über den Ausgang des ersten Weltkrieges: in Italien, weil es sich von den anderen Siegermächten um die "Teilnahme am Sieg" betrogen fühlte, in Deutschland, weil die Niederlage und die Bedingungen der Sieger als Demütigung erlebt wurde,
  • diese letzten beiden Faktoren verstärkten in beiden Ländern nationalistisch-faschististische Bewegungen, die in Momenten politischer Krise an die Macht kamen.
Siehe auch:
Benito Mussolini - Biografie
Benito Mussolini
Biographie des Führers
des faschistischen Italiens. 

Mussolini und Hitler: Partner und Konkurrenten

Als Mussolini 1922 mit seinem "Marsch auf Rom" die Macht in Italien übernahm, steckte die Bewegung Hitlers in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Hitler bewunderte Mussolini, ein Jahr später wollte er mit einem Putsch in München und einem anschließenden "Marsch auf Berlin" Mussolini nacheifern. Der Putsch scheiterte und dies trug dazu bei, dass Mussolini Hitler anfänglich in einer etwas arrogant herablassenden Weise betrachtete. In den 1920er Jahren stand Mussolini Hitler also noch relativ skeptisch gegenüber und auch dessen Rassentheorie teilte er anfangs noch nicht. 
Hitler und Mussolini Hitler und Mussolini
Zwei Briefmarken aus den 40er Jahren. Beide haben die Aufschrift: "Zwei Völker und ein Kampf"
(italienisch: "Due popoli, una guerra")
Als Hitler dann 1933 an die Macht kam, musste Mussolini schnell erkennen, dass er sich in Hitler gründlich getäuscht hatte: die Schnelligkeit und die Brutalität, mit der Hitler seine Diktatur in Deutschland etablierte, flößten ihm Respekt ein, in die sich bald schon Befürchtungen mischten. Hitler arbeitete zielstrebig auf einen Krieg hin, Mussolini fühlte sich im Zugzwang, er musste beweisen, dass auch er kein "Feigling" war. So entstand die "Achse Rom-Berlin" und Mussolini wiederholte unaufhörlich, dass das faschistische Italien, wenn es einen Freund hat, gemeinsam mit ihm bis zur letzten Konsequenz marschiert.

Trotz aller großen Worte hatte Mussolini allerdings Angst vor dieser letzten Konsequenz, denn Italien war in keiner Weise auf einen Krieg vorbereitet, weder materiell noch psychologisch. Durch eine wahnwitzige Aufrüstung und durch ständiges Einhämmern faschistischer Propaganda glaubte Mussolini im Jahr 1940, ein Jahr nachdem Hitler den zweiten Weltkrieg vom Zaun gebrochen hatte, es Hitler gleichtun zu können und begann eine Art "Parallelkrieg" auf anderen Kriegsschauplätzen. Aber im zweiten Weltkrieg sollte sich endgültig zeigen, wer die erste Geige spielte. Ohne das massive Eingreifen deutscher Streitkäfte, wären diese Parallelkriege - vor allem auf dem Balkan - kläglich gescheitert, was Mussolini in immer stärkere Abhängigkeit von Hitler geraten ließ.

Eine Szene aus "Der große Diktator".
links: Henry Daniell (Goebbels), in der Mitte: Charlie Chaplin (Hitler), rechts: Jack Oackie (Mussolini)

Hitler und Mussolini ohne Maske: "Der große Diktator" von Charlie Chaplin

Die Szenen, in denen das Treffen zwischen Hitler und Mussolini geschildert werden, gehören zweifellos zu den stärksten dieses auch heute noch sehenswerten Films. Chaplin, der die Rolle Hitlers spielte, hat die Figur, ohne ihren bedrohlichen Charakter zu verharmlosen, der absoluten Lächerlichkeit preisgegeben und Jack Oakie in der Rolle des Mussolini steht ihm um nichts nach. Das ganze Imponiergehabe der beiden wird schonungslos demaskiert und lächerlich gemacht. Chaplins Botschaft - während des zweiten Weltkriegs - war: Lasst euch nicht von der Fassade blenden, Hitler und Mussolini sind keine Schicksalsmächte, sie sind schlagbar!

Das tragische Ende (1): Hitler befiehlt die Besetzung Italiens

Als Enttäuschung, Verzweiflung und Erschöpfung in Italien 1943 schließlich zum Sturz Mussolinis und zum Waffenstillstand mit den Alliierten führten, reagierte Hitler in der für ihn typischen Art: Wer nicht mein Freund ist, ist mein Feind! Obwohl ihn mit der Person Mussolini bis zum Ende noch eine gewisse freundschaftliche Beziehung verband, entlud sich jetzt seine ganze Wut über den "italienischen Verrat": Wenn nicht Liebe, dann eben Hass. Hunderttausende von italienischen Soldaten wurden gefangen genommen und nach Deutschland in KZs oder zur Zwangsarbeit geschickt. Auch die "Repubblica Sociale Italiana", das restliche Norditalien, das unter dem Oberbefehl Mussolinis Hitler bis zum Schluss die Treue hielt, behandelte dieser mit der Arroganz des Besatzers, der die Besetzten demütigt, wo er kann.

Das tragische Ende (2): Hitler befiehlt die Zerstörung Deutschland

Kampf bis zum Ende, das war Hitlers Losung. In den letzten Wochen des Krieges, als die Alliierten bereits auf deutschem Boden standen, befahl Hitler die Taktik der "verbrannten Erde" und erklärte im Kreis der engsten Vertrauten:
"Wenn der Krieg verloren geht, wird auch das Volk verloren sein. Es ist nicht notwendig, auf die Grundlagen, die das deutsche Volk zu seinem primitivsten Weiterleben braucht, Rücksicht zu nehmen. Im Gegenteil, es ist besser, selbst diese Dinge zu zerstören. Denn das deutsche Volk hat sich als das schwächere erwiesen (...). Was nach diesem Kampf übrig bleibt, sind ohnehin nur die Minderwertigen, denn die Guten sind gefallen".
Zuerst die Italiener und dann auch die Deutschen hatten für Hitler bewiesen, dass sie es nicht würdig waren, den Krieg zu gewinnen. Die Zerstörung der italienischen und vor allem der deutschen Städte ist nicht nur das Werk der alliierten Bomber gewesen, es war vor allem das Werk Hitlers und Mussolinis.

Siehe auch:

Über Italien im Zweiten Weltkrieg:

Mehr über Hitler und Mussolini:

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Der große Diktator
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Bücher über Geschichte und Gegenwart Italiens - vom Antiken Rom bis Berlusconi:


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