Reise nach Italien - Italienische Geschichte

Benito Mussolini

Home  Inhalt  Email an 'Reise nach Italien' Auf Facebook teilen
Benito Mussolini
Benito Mussolini in einer seiner typischen Rednerposen
Foto:  Unbekannter Autor

Die Italiener von heute und der Faschismus

Dass die Vergangenheitsbewältigung keine einfache Sache ist, davon wissen wir Deutschen ein Lied zu singen. Und die deutsche Vergangenheit, besonders was die 12 Jahre zwischen 1933 und 1945 betrifft, wird uns und die Welt noch eine ganze Weile beschäftigen - zu Recht.

In Italien sind die 20 Regierungsjahre Mussolinis, der das kriegsunwillige Italien mit aller Macht an der Seite Hitlers in den zweiten Weltkrieg zwang, kaum ein Thema. Heiß diskutiert wird die "Resistenza", der Widerstand gegen Mussolini und Hitlerdeutschland gegen Ende des Krieges, aber über das "Ventennio", die zwanzigjährige faschistische Diktatur unter dem "Duce" Mussolini, die immerhin für die 400.000 Tote verantwortlich war, die Italien im zweiten Weltkrieg zu beklagen hatte, wird weit weniger diskutiert als über das nazionalsozialistische Deutschland und Hitler. Dass heute eine Enkelin Mussolinis Abgeordnete im Nationalparlament in Rom ist, die ganz ungeniert bei jeder möglichen Gelegenheit von sich gibt, dass ihr Großvater im Grunde ein großer Mann war, stört nur wenige. Für die allermeisten Italiener ist der italienische Faschismus kein Thema mehr - die Vergangenheit bleibt im Grunde unbewältigt.
Benito Mussolini
Schweizerische Polizeifotos von Mussolini (1903)
Fotos: Berner Staatsarchiv


Der "sozialistische" Mussolini und die Wendung nach rechts

Benito Mussolini wurde am 29. Juli 1883 in Dovia (Emilia-Romagna) geboren. Seine Eltern waren überzeugte Sozialisten und gaben ihrem Jungen den Vornamen des mexikanischen Revolutionärs Benito Juárez. Benito Mussolini übernahm die politischen Überzeugungen seiner Eltern und fiel in seiner Schulzeit besonders durch einen ausgeprägten Kirchenhass auf. 1901 machte er das Abitur und erwarb das Diplom eines Grundschullehrers. Ein Jahr später wanderte er jedoch in die Schweiz aus, vor allem um der Einziehung zum italienischen Militärdienst zu entgehen. In der Schweiz war er an einigen Aktionen linksradikaler Gruppen beteiligt und kam so auch mit den Schweizer Behörden in Konflikt (siehe das Polizeifoto oben).

Eine Amnestie gestattete es Mussolini, im Jahr 1904 nach Italien zurückzukehren, wo er in den darauffolgenden Jahren als Funktionär der Sozialistischen Partei wirkte und bald durch seine Zeitungsartikel und seine flammenden Reden eine Schlüsselrolle in der Partei erreichte. Im Dezember 1912 wurde Mussolini Chefredakteur des Parteiorgans "Avanti!" und verschaffte der Zeitung einen enormen Zuwachs an Lesern. Die Erfolge der Sozialisten bei den Wahlen im Jahr 1913 waren nicht zuletzt ein Verdienst Mussolinis.

Als 1914 der erste Weltkrieg ausbrach - Italien war bis 1915 noch neutral - wurden die Artikel und Reden Mussolinis zunehmend nationalistisch und kriegsbejahend und so kam er immer mehr in Kontrast zur Führung der Partei. Nach seinem Auschluss aus der Redaktion von "Avanti!" gründete Mussolini eine eigene Zeitung ("Il Popolo d'Italia") und begann mit einer intensiven Werbung für den Kriegseintritt Italiens an der Seite Englands und Frankreichs, gegen Deutschland und Österreich.

Im Jahr 1919, nach dem Ende des Krieges, aus dem Italien auf der Gewinnerseite hervorging, gründete Mussolini die Faschistische Partei, aber aufgrund ihres konfusen Programms, einer Mischung aus antikapitalistischen, antimonarchistischen und antiklerikalen Programmpunkten mit starken nationalistischen Untertönen, kam sie bei den Wählern anfangs wenig an. Das sollte sich allerdings bald ändern.

Die Jahre nach dem ersten Weltkrieg waren charakterisiert durch zahlreiche Streiks und durch Gewaltaktionen vor allem von rechtsradikalen Gruppen, die von der Regierung aus Angst vor einer Revolution wie in Russland weitgehend tolleriert wurden. Die politische Unsicherheit war allgegenwärtig und Mussolini tat alles, um sie mit den von ihm gegründeten "Fasci italiani di combattimento" (Italienische Kampfbünde) noch anzuheizen. Die neue ultrarechte Linie von Mussolini war: auf der einen Seite die Verstärkung des Terrors der "Fasci", auf der anderen das Warten auf den Ruf, als "starker Mann" Italien den sozialen Frieden zu bringen.

1922-1939: Mussolini an der Macht

Im Oktober 1922 hielt Mussolini die Zeit für reif: er organisierte mit etwa 40.000-50.000 Parteigängern einen "Marsch auf Rom", um den König und die Regierung zu erpressen: entweder Mussolini an der Regierung oder das Chaos in Italien. Seine Rechnung ging auf, Mussolini wurde zum Ministerpräsident ernannt.

In den folgenden Jahren, besonders ab 1925, errichteten die Faschisten mit Mussolini an der Spitze eine totalitäre Diktatur. Die im November 1921 gegründete "Nationale Faschistische Partei“ (Partito Nazionale Fascista) wurde zur Einheitspartei, regimekritische Zeitungen wurden verboten und die Gegner der Faschisten mit polizeistaatlichen Repressionsmaßnahmen verfolgt.

Der Traum von Mussolini war, Italien wieder die Macht zu geben, die das alte Rom innehatte. Sein "Neues Römisches Imperium“ strebte zunächst die Herrschaft im Mittelmeerraum an. Bereits in den 1920er Jahren ließ er eine Marinebasis auf der türkischen Insel Leros errichten und verschärfte die italienische Kontrolle über Albanien und Libyen. Zwischen 1935 und 1936 eroberte Italien Äthiopien. Dabei setzte die italienische Armee auch Giftgas ein und machte auch nicht vor Massenliquidierungen der Einheimischen und der Verbrennung von Dörfern, Vieh und Feldern halt. Britisch-Somaliland wurde 1940 besetzt und Italienisch-Ostafrika angegliedert. Auch im spanischen Bürgerkrieg (1936-39) mischte Mussolini mit, indem er die Putschisten unter General Franco gegen die demokratisch gewählte republikanische Regierung tatkräftig militärisch unterstützte.
Benito Mussolini und Adolf Hitler
Benito Mussolini und Adolf Hitler, München 1938
Foto: Eva Braun Collection

1939-1943: Mussolini zwingt Italien in den zweiten Weltkrieg

In den 1920er Jahren stand Mussolini Hitler noch relativ skeptisch gegenüber, auch dessen Rassentheorie teilte er anfangs noch nicht. Als Hitler dann 1933 an die Macht kam, musste Mussolini schnell erkennen, dass er Hitler gründlich unterschätzt hatte: die Schnelligkeit und die Brutalität, mit der Hitler seine Diktatur in Deutschland etablierte, flößten ihm Respekt ein. Hitler arbeitete von Anfang an zielstrebig auf einen Krieg hin, und obwohl auch Italiens Außenpolitik keineswegs friedlich war (siehe oben) war das Land nicht auf einen Krieg, wie Hitler ihn wollte, vorbereitet. Militärisch war Italien durch seine aufwendigen Kolonialabenteuer ziemlich ausgeblutet und die Mehrheit der Italiener hatte absolut keine Lust, sich in einen Krieg mit unvorhersehbaren Ausmaßen hineinziehen zu lassen. Aber Mussolini fühlte sich unter Zugzwang, er musste beweisen, dass er kein "Feigling" war. So entstand die "Achse Rom-Berlin".

Als Hitler den Krieg im September 1939 vom Zaun brach, war Mussolini keineswegs erfreut, sein Land war zu diesem Zeitpunkt noch absolut unfähig, in den Krieg einzugreifen. Aber Mussolini wollte um jeden Preis unter den Siegern des gerade begonnenen Krieges sein.

Durch eine fieberhafte Aufrüstung und eine massive Kriegspropaganda versuchte er Italien materiell und psychologisch kriegsfähig zu machen. 1940, als nach den erfolgreichen "Blitzkriegen" Deutschlands der Kriegsausgang einigermaßen sicher erschien, erklärte Italien England und Frankreich den Krieg. Aber schon die ersten italienischen Offensiven auf dem Balkan endeten kläglich: eine dilettantische Planung und technische Mängel in der Ausrüstung der Armee, verbunden mit maßloser Selbstüberschätzung führten zu einer militärischen Katastrophe, die erst durch das Eingreifen der deutschen Wehrmacht wieder wettgemacht werden konnte.

Mussolini wollte einen „Parallelkrieg“ mit eigenen Kriegszielen, aber dieses Projekt war schon nach wenigen Monaten gescheitert und dadurch wurde Bindung an Deutschland noch enger. Die Teilnahme am Russlandfeldzug im Jahr 1941 und die Kriegserklärung an die USA im gleichen Jahr besiegelten die militärische Niederlage und damit auch das politische Schicksal des „Duce“.
Benito Mussolini
Benito Mussolini wird von einer deutschen Fallschirmjäger-Gruppe aus seinem Gefangenenlager befreit
Foto: Toni Schneiders

Die Absetzung Mussolinis und die "Republik von Salò"

Als die Alliierten im Juli 1943 auf Sizilien landeten und daran gingen, Italien vom Süden her einzunehmen, wurden die Kritiken an Mussolini, auch innerhalb der faschistischen Partei, immer stärker. Am 25. Juli 1943 wurde er vom "Großen Faschistischen Rat" abgesetzt, auf Befehl des italienischen Königs Viktor Emanuel III. verhaftet und an wechselnden Orten interniert, um eine eventuelle Befreiungsaktion zu erschweren. Am 8. September, als die militärische Lage Italiens inzwischen aussichtslos geworden war, wurde schließlich der Waffenstillstand zwischen Italien und den Alliierten offiziell verkündigt.

Aber Hitler brauchte Mussolini noch. Nach dem Waffenstillstand besetzten die deutschen Truppen Italien und deutsche Fallschirmjäger befreiten Mussolini aus dem Gefangenenlager in den Abruzzen. Um die Lage wenigstens in Norditalien zu stabilisieren und den deutschen Truppen die Verteidigung zu erleichtern, wurde unter Mussolinis Führung in Norditalien die Marionettenregierung der "Repubblica Sociale Italiana" installiert, auch "Republik von Salò" genannt, als Gegenregierung gegen die in Rom. Aber die Republik von Salò hatte eine äußerst beschränkte Autonomie und Mussolini war, wie er selbst in jener Zeit häufig beklagte, zu einem Handlanger der deutschen Besatzungstruppen degradiert worden.
Benito Mussolini
Die Zurschaustellung der Leiche von Mussolini (zweiter von links, in der Mitte seine Geliebte Clara Petacci),
im April 1945 auf dem Piazzale Loreto in Mailand.
Ein Jahr vorher hatten die Faschisten am gleichen Platz die Leichen von fünfzehn Zivilisten
zur Vergeltung von Partisanenangriffen in gleicher Weise aufgehängt
Foto: Renzo Pistone

1945: Das Ende eines Diktators

Im April 1945, als die militärische Lage für die deutsche Wehrmacht immer hoffnungsloser wurde, versuchte Mussolini die Flucht in die Schweiz. Am 27. April 1945 wurde er jedoch am Comer See von kommunistischen Partisanen erkannt und gefangen genommen. Einen Tag später wurde er zusammen mit seiner Geliebten Clara Petacci und 15 Begleitern, hauptsächlich Minister und Funktionäre der "Italienischen Sozialrepublik", nach einer improvisierten "Gerichtsverhandlung" standrechtlich erschossen. Die Leichen von Mussolini, seiner Geliebten und der übrigen Exekutierten wurden danach auf dem Piazzale Loreto in Mailand, wo zuvor Partisanen hingerichtet worden waren, kopfüber aufgehängt und öffentlich zur Schau gestellt (siehe das Foto oben).

tonerpartner24_300x250px

Ein ähnliches Thema:

Über Italien im Zweiten Weltkrieg:

Bücher über Benito Mussolini und den italienischen Faschismus:

Benito Mussolini
Mussolini: Mit Selbstzeugnissen
und Bilddokumenten
Benito Mussolini
Kurze Geschichte
des italienischen Faschismus

Wenn Sie mehr wissen wollen:

Geschichte Italiens   Die Renaissance in Italien   Venedig erobert die Welt   Geschichte Italiens im Mittelalter   Garibaldi: Geschichte eines Abenteurers, der Italien zur Einheit verhal   Gomorrha
Bücher über
Geschichte und Gegenwart Italiens
Geschichte: Biografien Geschichte: Dokumentarfilme Italien: Gesellschaft und Politik Bücher und Filme über Italiener und Deutsche

Diese Seite kommentieren:

Bis jetzt gibt es keine Kommentare ...
Ihr Kommentar zu dieser Seite

Entdecken Sie auch alle anderen Seiten über:

Die Geschichte Italiens
Die Geschichte Italiens

Siehe auch:

Italien-Shop
Italien-Shop:
Bücher, Multimedia, T-Shirts, Kunst, Kulinarisches
Italien in Facebook
Eine lebhafte Gruppe in Facebook:
"Italien - wie es leibt und lebt"

Empfehlung:

Italienisch? Kein Problem!

Babbel.com
Einfach online Italienisch lernen
Jetzt anmelden und kostenlos ausprobieren!
Lingorilla.com
Videosprachkurse
Jetzt Testlektion starten!
Translated.net
Übersetzungen in 80 Sprachen
Lieferung in 24 Stunden

Kostenloser Newsletter:

Newsletter von "Reise nach Italien"

Home  Inhalt  Email an 'Reise nach Italien'

Diese Website gehört zu den wichtigsten deutschen Internetadressen 2017


Impressum