Wie ein portugiesischer Mönch zum "Heiligen von Padua" wurde:
Der Mönch Antonius, dessen wirklicher Name Fernandez Martin de Bulhorn war,
wurde um 1195 in Lissabon geboren. Er entstammte einer wohlhabenden
portugiesischen Adelsfamilie, studierte in Lissabon und Coimbra und empfing
schließlich die Priesterweihe. 1220 trat er zu den Franziskanern über und
nahm den Namen Antonius an. Im gleichen Jahr zog er als Missionar nach
Marokko, musste aber wegen einer Krankheit Afrika bald wieder verlassen. Er
wollte zurück nach Lissabon, sein Schiff wurde aber durch einen Sturm nach
Sizilien verschlagen.
In Assisi lernte er den Ordensgründer Franz von Assisi kennen, der die
außergewöhnliche Redebegabung von Antonius bemerkte und ihn 1223
beauftragte, in der Region Romagna zu predigen und an der Universität
Bologna theologische Vorlesungen zu halten. Nach einer darauf folgenden Predigtreise
nach Südfrankreich kehrte er 1227 nach Norditalien zurück, wo er als
Ordensoberer, Studienleiter und Bußprediger wirkte. Er galt schon zu
Lebzeiten als bedeutendster Prediger seiner Zeit. Besonders beliebt war er
in Padua und Umgebung, wo er sich in den letzten 2 Jahren seines Lebens
häufig aufhielt
Erschöpft von den zahlreichen Aufgaben und Reisen, zog er sich
1230 von
seinen Ämtern zurück. 1231 unternahm er noch einmal eine Predigtreise nach
Padua und verbrachte die letzten Wochen seines Lebens in der Einsiedelei
Camposanpiero, 20 km nördlich von Padua. Am 13. Juni 1231 starb er in
Arcella, einem Dorf in der Nähe von Padua (heute ein Vorort der Stadt).
Sofort begann zwischen den Einwohnern von Arcella und den Nonnen des
dortigen Klosters (wo Antonio gestorben war) auf der einen Seite und den
Einwohnern und den religiösen und weltlichen Oberhäuptern von Padua auf der
anderen Seite ein heftiger Streit um den Bestattungsort des Predigers, bei
dem zeitweise sogar zu den Waffen gegriffen wurde. Da dem Franziskanermönch schon
während seines Lebens zahlreiche Wundertaten nachgesagt wurden, lag die
Heiligsprechung des Predigers damals schon in der Luft und niemand wollte
sich den Titel des Wallfahrtsortes mit allen damit verbundenen Vorteilen
(Prestige und Reichtum) entgehen lassen. Schließlich
sprachen der Bischof von Padua und das Ordensoberhaupt der Franziskaner ein Machtwort
und so wurde der Leichnam, um weiteres Aufsehen zu vermeiden, in einer Nacht-
und Nebelaktion aus Arcella nach Padua gebracht. So wurde der "Heilige von
Padua" geboren, der dort zwar sehr beliebt war, aber doch nur wenige Monate
seines Lebens dauerhaft in Padua verbracht hatte.
Wie die Stadt Padua reich und berühmt wurde:
Vom 11. bis zum 13. Jahrhundert war Padua ein ehrgeiziger und
aufstrebender freier Stadtstaat. 1222 wurde – nach
Bologna und
Modena – die
Universität Padua als dritte Universität in Italien gegründet, die schnell
einen hervorragenden internationalen Ruf erlangte, vor allem auch durch
berühmte Lehrer, wie z.B. Galileo Galilei. Aber zur damaligen Zeit waren ein
Heiliger und eine ihm geweihte Basilika ein noch wichtigeres Element, um
Reichtum, Macht und Ansehen einer Stadt zu mehren.
So machte sich nach dem Tod von Antonius eine Delegation aus kirchlichen und
städtischen Würdenträgern sofort auf den Weg nach Rom, um beim Papst die
Kanonisierung von Antonius voranzutreiben, mit dem Ergebnis, dass dieser in Rekordzeit heilig gesprochen
wurde (im Jahr 1232, nur ein Jahr nach seinem
Tod). Noch im gleichen Jahr begann man mit dem Bau der Basilika, die dann
Jahr für Jahr - bis heute - Hunderttausende von Pilgern aus aller Welt
anlockt. Das Städtchen Arcella, wo Antonius gestorben und Lissabon, wo er
geboren ist, hatten das Nachsehen.
Andere Fotos der Basilika:
Luftbild der Basilika mit ihren charakterischen Kuppeln und Türmen.
Foto: I-Buga Sas Milano Blick ins Presbyterium mit dem Hochaltar.
Foto:
Rollroboter
Der Sarg des heiligen Antonius. Ihn mit der Hand zu berühren soll Wünsche in
Erfüllung gehen lassen.
Daneben Bittbriefe, Fotos und einfache Zettel mit Danksagungen für
erfüllte Wünsche oder mit Zeugnissen von Personen,
die angeblich durch eine Intervention des heiligen Antonius geheilt oder gerettet
wurden.
Foto:
www.santantonio.org Neben der Basilika: das stolze Reiterdenkmal des
Gattamelata, ein Meisterwerk Donatellos (1452).
Es stellt einen
berühmt-berüchtigten Söldnerführer Venedigs dar, der wegen
seiner Verschlagenheit
auch "die gefleckte Katze" genannt wurde.
Foto: Wolfgang Pruscha